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fulfin - financing ecommerce Dezember 21, 2021 6 Minuten
Kategorien: Finanzen - Kategorien | Finanzindustrie

Unternehmen schöpfen beim Working Capital das Potenzial und die Möglichkeiten nicht aus, wobei es in den meisten Fällen zu mehr Liquidität und weniger Risiko führt. Aufgrund einer guten Konjunktur und niedriger Zinsen der letzten Jahre, die für ausreichend Liquidität sorgten, schenkten Unternehmen dem Working Capital Management geringe Aufmerksamkeit, doch seit dem Ausbruch der Pandemie hat sich für viele Unternehmen die Liquiditätssituation drastisch verändert, sodass eine Liquiditätssicherung bzw. -steigerung notwendig ist. 

Was versteht man unter Working Capital?  

Das Working Capital ist eine Kennzahl der Bilanzbuchhaltung und dient der Analyse der Liquidität eines Unternehmens. Das Working Capital stellt die Differenz zwischen Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten dar. 

Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Der Wert des Working Capital sollte größer null sein; ein positives Working Capital signalisiert, dass das gesamte Anlagevermögen und Teile des Umlaufvermögens durch langfristiges Kapital finanziert wurde. Dieser Ansatz folgt der sogenannten Goldenen Bilanzregel: Das Anlagevermögen und das langfristige Umlaufvermögen werden durch langfristiges Kapital finanziert.     Das Working Capital sollte eine Ratio von 2 : 1 zwischen Umlaufvermögen und kurzfristigem Fremdkapital haben. 

Working Capital = Umlaufvermögen kurzfristiges Fremdkapital

Beim negativen Working Capital ist der Wert kleiner null. Hierbei besteht die Gefahr, dass das Unternehmen nicht ausreichend Liquidität besitzt und die Gefahr der Illiquidität höher ist, weil das Umlaufvermögen nicht ausreicht, um kurzfristige Verbindlichkeiten zu decken. 

Je höher das Working Capital, desto gesicherter ist die Liquidität und der Investitionsspielraum des Unternehmens.

Unterschied zwischen Brutto- und Nettoumlaufvermögen

Man unterscheidet zwischen Gross Working Capital (Bruttoumlaufvermögen) und Net Working Capital (Nettoumlaufvermögen). 

  • Bruttoumlaufvermögen (Total): Es gibt Auskunft über die vorhandene Liquidität bzw. den Finanzierungsspielraum. 
  • Nettoumlaufvermögen: Es gibt Auskunft über die mögliche Verfügbarkeit des Umlaufvermögens nach Abzug der kurzfristigen Verbindlichkeiten. Da es eine stärkere Aussagekraft besitzt, misst man ihm größere Bedeutung als dem Bruttoumlaufvermögen bei. 

Welche Aussagekraft hat das Working Capital?  

Durch den Working-Capital-Ratio lässt sich der prozentuale Anteil verdeutlichen, zu welchem das kurzfristige Fremdkapital durch das Umlaufvermögen gedeckt ist. Es sollte dafür Sorge getragen werden, dass dieses Verhältnis dauerhaft größer als 100 % ist; das Working Capital ist dann ausgeglichen und liegt über 0. Eine Faustregel ist eine Working-Capital-Ratio von mindestens 120 – 130 %

Die Aussagekraft des Working Capital ist jedoch begrenzt, da es sich um eine statische Kennzahl handelt. Zukünftige Zahlungsströme (Ausgaben und Einnahmen) werden beispielsweise nicht beachtet, sodass eine falsche Bewertung der Liquidität stattfinden kann. Des Weiteren ist das Working Capital auch branchenabhängig

Nichtsdestotrotz kann die Bilanzkennzahl genutzt werden, um Optimierungsmöglichkeiten zu erkennen. Das Working Capital gibt u.a. Hinweise auf schlechte Lagerhaltung, Verwaltungsprobleme von Verbindlichkeiten oder ein schlechtes Forderungsmanagement, wobei diese Annahmen mithilfe von weiteren Analysen bestätigt oder widerlegt werden können.  

Definition: Working Capital Management

Unter Working Capital versteht man demnach das Nettoumlaufvermögen, d.h. die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Durch das Working Capital Management werden kurzfristige Vermögenswerte und kurzfristige Verbindlichkeiten gesteuert, d.h. das Umlaufvermögen und die kurzfristigen Verbindlichkeiten werden gemanagt. 

Genauer gesagt, werden Vorräte so kurz wie möglich gelagert, Lieferantenrechnungen so spät wie möglich beglichen und für Forderungen können Zahlungseingänge frühestmöglich realisiert werden. In diesem Fall sind ausreichend liquide Mittel für Investitionen oder das Wachstum des Unternehmens  vorhanden. 

Demzufolge ist das Working Capital Management für die Freisetzung von im Umlaufvermögen gebundenen liquiden Mittel verantwortlich.

Das Working Capital Management (WCM) gilt als Werkzeug des strategischen Controllings, des Risiko- und des Finanzcontrollings. Das Management soll zu einer Effizienzsteigerung, der Optimierung der gebundenen liquiden Mittel und zur Verbesserung der Finanzstruktur beitragen. Liquiditätsengpässe sollen rechtzeitig erkannt werden, um entsprechend intervenieren zu können. 

Working Capital Management ist für Unternehmen ein wichtiges Instrument, um die Liquidität zu stärken. Allerdings wird es von Unternehmen zu häufig vernachlässigt und nicht praktiziert. Bleibt zu viel Kapital gebunden, nutzen Unternehmen nicht die Möglichkeit, ihre finanzielle Situation zu optimieren. Eine Improvisation der Kennzahlen lässt sich durch eine optimierte Lagerhaltung und Produktpalette, aber auch durch ein verbessertes Forderungs- und Kreditorenmanagement erzielen. 

  • Optimierte Lagerhaltung: Lagerbestände müssen kontrolliert werden und der Lageraufbau sinnvoll gestaltet sein, damit die Waren schnell gefunden werden. Just-in-Time Lieferungen senken die Lagerkosten.
  • Optimale Produktpalette: Analyse von Umschlagzeiten, um die Produktion und Lagerung für Produkte mit langen Umschlagzeiten anzupassen. 
  • Optimiertes Forderungsmanagement: Mängel in den Zahlungszielen und bei der Einforderung der Forderungen korrigieren. Ein gutes Mahnwesen und Bonitätsprüfungen können hierbei behilflich sein. Durch Skonti kann die Zahlungsgeschwindigkeit der Kunden verbessert werden. 

Maßnahmen des Working Capital Managements 

Wie bereits im oberen Abschnitt angedeutet, sind die drei wichtigsten Bereiche des Working Capital Management: 

  • Forderungsmanagement (Order to Cash)
  • Verbindlichkeitsmanagement (Purchase to Pay)
  • Vorrats- oder Lagermanagement (Forecast to Fulfill)

Forderungsmanagement (Order to Cash)

Das Forderungsmanagement ist von essenzieller Bedeutung für die Liquiditätssicherung. Erbringt ein Unternehmen Leistungen, ohne dass die Kunden rechtzeitig oder überhaupt die Rechnungen begleichen, ist die Liquiditätskrise vorprogrammiert. Aus diesem Grund müssen offene Forderungen überwacht, Zahlungseingänge dokumentiert und ausstehende Zahlungseingänge ggf. zeitnah angemahnt werden.

Zentrale Elemente des Forderungsmanagements (Order to Cash) sind die Festlegung gültiger Finanz- und Kreditrichtlinien, die Vereinfachung und Beschleunigung der Forderungsliquidation, die Gewährleistung einer zeitnahen Rechnungsstellung und die Erhöhung der Kundenzufriedenheit. Durch Bonitätsprüfungen können Zahlungsausfälle verhindert und individuelle Kreditrahmen erteilt werden. 

Nicht immer wird das Forderungsmanagement vom Unternehmen selbst durchgeführt, denn viele Firmen lagern dieses aus. In diesem Fall übernehmen Dienstleister das Mahn- oder auch Inkassoverfahren. Sogenannte Factoring-Gesellschaften kaufen die offenen Forderungen gegen eine Gebühr und bieten dem Unternehmen somit mithilfe des Forderungsverkaufs schnell Liquidität. Factoring sichert den Zahlungseingang und reduziert das Ausfallrisiko. Vor allem mittelständische Unternehmen nutzen häufig diese Finanzierungsform. 

BereichMaßnahme
KreditrisikomanagementBonitätsprüfung
VertragsgestaltungVorauszahlungen, Akontozahlungen
RechnungsstellungZeitnahe Rechnungsstellung, Gewährung Skonto
InkassomanagementVerschärfung Mahnwesen, Factoring

Verbindlichkeitsmanagement (Purchase to Pay)

Ein weiterer Bestandteil des Working Capital Management ist das Verbindlichkeitsmanagement (Purchase to Pay), wobei beispielsweise maximale Zahlungspotenziale ausgeschöpft werden, indem lange Zahlungsziele oder die maximale Skontoausnutzung ausgeschöpft werden. Die Lieferantenstruktur soll den Einkauf effizient optimieren. Das Anstreben einer möglichst langen Kreditorenfrist sorgt dafür, dass das gebundene Kapital unter sonst gleichen Bedingungen sinkt. 

BereichMaßnahme
LieferantenstrategieLieferantenzahl reduzieren
ZahlungsbedingungenZahlungsbedingungen standardisieren und harmonisieren
ZahlungsverhaltenSkonto ausnutzen, Reduktion Zahlungsläufe
GeldverkehrSchnelle und fehlerfreie Zahlungsverbuchung

Lagermanagement (Forecast to Fulfill)

Und zum Schluss möchten wir noch auf das Lagermanagement (Forecast to Fulfill) zu sprechen kommen, das einer der drei wesentlichen Bereiche des Working Capital Managements ist. Das Lager ist ein Ausgleichselement zwischen dem Beschaffungs-, Produktions- und Vertriebsprozesses. Es gibt dem Unternehmen Flexibilität im Hinblick auf den Zeitpunkt der Warenbeschaffung, der Planung von Produktionsaufträgen und der Bereitstellung der Waren (Nachfrage bedienen). Durch die Reduktion der Lagerbestände wird Working Capital freigesetzt und kann zur Steigerung der Liquidität beitragen. 

Überfüllte Lager mit Waren, die lange Zeit nicht genutzt und verkauft werden, sollten möglichst vermieden werden. Bestellte und bezahlte Waren, die lange nicht verwendet werden, binden nur unnötig das Kapital, welches zunächst keine Einnahmen, sondern Kosten generiert. Ziel sollte es sein, die liquiden Mittel freizusetzen, um andere wichtigere Investitionen zu tätigen. Eine Lagerfinanzierung von fulfin wäre hierfür eine alternative Finanzierungsmöglichkeit. 

BereichMaßnahme
AbsatzplanungNachfrageprognose verbessern
EinkaufsmanagementLieferantenzahl reduzieren, Just–in–Time–Konzept nutzen
ProduktionsmanagementSpäte Variantenbildung, Standardisierung Produktion
LagermanagementSicherheits– oder Pufferbestände reduzieren
AuslieferungTransportwege minimieren

Durch Working Capital Management die Liquidität sichern 

Ziel des Working Capital Managements ist es, die Liquidität des Unternehmens zu sichern und zu steigern sowie die Rentabilität zu optimieren. Hierfür wird eine Analyse der Bilanz vorgenommen und unter Umständen die Konditionen mit Lieferanten neu verhandelt bzw. angepasst. Die Optimierungsmaßnahmen sollten sich dann positiv auf die Liquiditätskennzahlen auswirken. Dadurch wird das Unternehmen von Investoren  und Kreditgebern besser bewertet, wodurch es Zugang zu weiteren Finanzierungsoptionen erhält. 

Working Capital Management als Unternehmensziel etablieren

Working Capital Management sollte auf der Prioritätenliste des Managements ganz oben stehen, um Liquiditätsengpässe und zu viel gebundenes Kapital schneller zu erkennen, damit das Unternehmen dementsprechend intervenieren kann. Häufig wird nur die Gewinnentwicklung oder die Umsätze betrachtet, aber selbst, wenn der Umsatz wächst, muss das Unternehmen liquide bleiben. 

Werden mehr Umsätze generiert, sieht dies zunächst gut aus, doch werden die gestellten Rechnungen immer länger nicht bezahlt, geht das Unternehmen über einen sehr langen Zeitraum in Vorkasse und muss auf die Zahlungseingänge warten.

Für das Wachstum des Unternehmens muss ausreichend Liquidität vorhanden sein – sonst kann das Unternehmen schnell – trotz guter Geschäfte – zahlungsunfähig werden. Das Working Capital Management kann Fehlentwicklungen frühzeitig erkennen und notwendige Maßnahmen ergreifen. 

Fazit 

Intelligentes und zukunftsorientiertes Working Capital Management lohnt sich für alle Unternehmen, um finanzielle Instabilitäten zu vermeiden, gebundene Liquidität freizusetzen, Investitionsfreiräume zu schaffen und das Risiko eines Liquiditätsengpasses zu mindern sowie die Bonität zu verbessern und das Unternehmenswachstum zu finanzieren. 

Das Working Capital, welches sich aus der Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten ergibt, sollte einen positiven Wert aufweisen, andernfalls droht ein Liquiditätsengpass. Je größer das Working Capital, desto mehr Investitionsspielräume bleiben dem Unternehmen. Bestandteil eines professionellen Working Capital Managements sollten auch Instrumente wie Factoring, Lager- oder Warenfinanzierung sein. Hierbei werden Forderungen aus Lieferungen und Leistungen verkauft, um Geld schnell verfügbar zu machen. Somit ist das Unternehmen schneller wieder liquide, als auf den Zahlungseingang zu warten. Bei der Lagerfinanzierung wird hingegen im Lagerbestand gebundene Liquidität freigesetzt, um Kapital anderweitig zu investieren. Entstehen entsprechende Liquiditätsengpässe, kann fulfin durch maßgeschneiderte Finanzierungslösungen Unternehmen helfen, diese Engpässe zu überbrücken.  

FAQ – Working Capital Management

Welche Bedeutung hat das Working Capital?

Das Working Capital berechnet sich aus der Differenz des Umlaufvermögens und den kurzfristigen Verbindlichkeiten: Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten. Zum Umlaufvermögen gehören Bankguthaben, Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie andere Forderungen des Unternehmens. Ein positives Ergebnis heißt, dass das Umlaufvermögen eines Unternehmens die kurzfristigen Verbindlichkeiten abdeckt.

Was versteht man unter Working Capital Management?

Das Working Capital Management ist ein Werkzeug des strategischen Controllings, des Risikocontrollings und Finanzcontrollings und befasst sich mit dem Management des Umlaufvermögens und den kurzfristigen Verbindlichkeiten des Unternehmens. Ziel ist es, das gebundene Kapital zu optimieren und eine Verbesserung der Firmenfinanzstruktur zu bewirken, gleichzeitig soll das Risiko von Liquiditätsengpässen reduziert werden. 

Wie verbessert man Working Capital?

Das Working Capital verbessert sich, wenn gebundenes Kapital freigesetzt wird, z.B. Forderungen durch Factoring verkauft oder durch eine Verbesserung des Mahnwesens reduziert wurden. Dabei sollte versucht werden, frei gewordene Mittel sinnvoll zu gebrauchen, z. B. für die Tilgung von Verbindlichkeiten oder für die Investitionen zur Schaffung von Mehrumsatz.  

Wie berechnet sich das Working Capital?

Das Working Capital berechnet sich aus der Differenz aus Umlaufvermögen und kurzfristigen Verbindlichkeiten: Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten. 

Warum ist das Working Capital wichtig?

Das Working Capital ist eine bedeutende Kennzahl, die zur Berechnung und Bewertung der Liquidität eines Unternehmens notwendig ist. Man bezeichnet das Working Capital auch als Nettoumlaufvermögen und entspricht weitestgehend der Liquidität des 3. Grades. Eine positives bzw. steigendes Working Capital weist auf eine ausreichende oder sich verbessernde Liquiditätslage des Unternehmens hin. Ein negativer Wert zeigt an, dass langfristiges Vermögen kurzfristig finanziert wird und die Liquiditätslage des Unternehmens instabil ist. 

Warum ist das Working Capital Management wichtig für den Unternehmenserfolg?

Damit ein Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein kann, ist die Sicherung der Liquidität und der Ertragsfähigkeit essenziell. Das Management des betrieblichen Vermögens, genauer das Working Capital Management spielt hierbei eine zentrale Rolle. Es ist wichtig, um hohe Kapitalbindung und mögliche Liquiditätsengpässe ins Gleichgewicht zu bringen und Verluste zu verhindern.  Das Management des Umlaufvermögens, das Working Capital Management, ist eine entscheidende Maßnahme zur Steigerung des Geschäftswertes und des Betriebsergebnisses. 

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